Völlig überraschend ist Mario Rosa-Bian am 7. März gestorben. Wir sind fassungslos, erschüttert und unendlich traurig. Mario war Sprecher des Bündnisses ProTransplant. Er hat großen Anteil daran, dass sich das Bündnis innerhalb kürzester Zeit zu einer ernsthaften politischen Kraft im Kampf um eine Verbesserung der Organspende entwickelt hat.
Als wir im Oktober 2021 die Geschicke von ProTransplant in unsere Hände nahmen, hatte uns der Zufall zusammengebracht. Schnell stellte sich heraus, „dass wir gleich ticken“, wie Mario es formulierte. Er hat von Anfang an groß gedacht und gehandelt. „Alle haben gesagt, das geht nicht, bis einer kam und es einfach gemacht hat“ - das beschreibt ihn gut. Wir starteten mit unserem ersten Offenen Brief, um uns in den damaligen Koalitionsverhandlungen direkt Gehör zu verschaffen. Ein weiterer folgte zum Tag der Organspende 2022, unterstützt von zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften und europäischen Partnerorganisationen. Im März 2023 wurden wir im Bundesgesundheitsministerium empfangen. Öffentlichkeitswirksam überbrachten wir unsere Forderungen.
Dass Rückschläge uns umso mehr anspornten, war auch Marios Verdienst. An seinem unerschütterlichen Optimismus und seiner Zuversicht konnten wir uns immer wieder aufrichten. Unsere gemeinsamen Meetings waren stets eine große Freude. Wir waren Partner auf Augenhöhe, und das beste Argument gewann.
Mario war so vieles in einer Person: ein großer Kommunikator und Vermittler, Lebensritter, Botschafter, Stratege, Mutmacher, und vor allem: Humanist. Seine große Motivation war, dass es anderen Betroffenen so gut gehen sollte wie ihm selbst, der das Glück hatte, dank einer Nierenspende fast 30 Jahre lang ein nahezu normales Leben zu führen. Und er hat diese Zeit genutzt: als Vorstandsvorsitzender von Niere NRW e.V., als Vorstandsmitglied im Netzwerk Organspende und als Aktivist für eine Verfassungsbeschwerde in Sachen Organspende beim Bündnis ProTransplant. Mario verfügte über ein großes Netzwerk, hielt unermüdlich Vorträge, klärte Menschen auf und brachte sie zusammen. Er übernahm Verantwortung.
Aufgrund seines Engagements und seines Charismas wurden auch die Medien auf ihn aufmerksam. Für die TV-Dokumentation „Charité intensiv – Gegen die Zeit“ wurde Mario als einer der Hauptprotagonisten über einen längeren Zeitraum von der Journalistin Mareike Müller begleitet. Wer verstehen will, was an Mario so besonders war, sollte sich die Doku unbedingt ansehen. Unsere gemeinsame Mission, eine Verfassungsbeschwerde auf den Weg zu bringen, wurde immer konkreter. Im Mai 2024 führten wir dazu unsere erste Pressekonferenz durch. Im Januar dieses Jahres nahmen wir an der Anhörung zur Einführung der Widerspruchsregelung im Gesundheitsausschuss teil. Dass das Bündnis ProTransplant als Sachverständiger eingeladen wurde, war ein weiterer Meilenstein, auf den Mario sehr stolz war.
Jetzt, wo wieder Koalitionsverhandlungen anstehen, fehlt er. Jeden Tag. Unser Beileid gilt seiner Familie und Isa, der starken Frau an der Seite eines starken Mannes. Auch wenn wir, gemessen an Marios ereignisreichem Leben, nur eine kurze Zeit zusammen verbracht haben, so war sie doch intensiv und bereichernd. Wir sind sicher, dass er nur gehen konnte, weil er wusste, dass unser gemeinsames Anliegen in guten Händen bleibt. Lieber Mario, es war uns eine Ehre.
Zazie Knepper und Anne Scheidler im Namen von Bündnis ProTransplant